Der biologische Kreislauf

Kreislauf der lebendigen Substanzen

 

Gedanken zum Buch:

Bodenfruchtbarkeit, eine Studie biologischen Denkens

Hans Peter Rusch 1964, 2014

 

Hans Peter Rusch war Arzt und Mitbegründer des biologisch-organischen Landbaus. Sein Buch entstand 1964, hat aber bis heute Aktualität, ja mehr denn je, wie ich meine.Viele seiner Erkenntnisse über die Humuswirtschaft in natürlichen Kreisläufen lassen sich auf das Biotop Mensch und die Medizin übertragen.

 

 

Alles Leben ist schicksalhaft miteinander verbunden.

Jeder Teil des Daseinskreislaufs steht im Dienste des Ganzen. Die Störung eines Teils hat unweigerliche Folgen für die anderen Glieder der Kette. Ist ein Teil krank, so stört er das Ganze und wird von der Natur eliminiert. Der Landwirt aber versucht, die kranken Pflanzen durch Pflanzenschutzmittel zu stärken, statt die Bedingungen für gesundes Wachstum zu schaffen. Die künstlich am Leben erhaltenen Organismen sind dadurch auch beim Verzehr nicht der Gesundheit förderlich. Erst durch die Mineralsalzdüngung (Phosphor, Kali, Kalk sowie Stickstoff) begannen sich auf den Äckern und in den Tierställen Krankheiten, Unfruchtbarkeit und Fehlbildungen zu etablieren, die wiederum mit Medikamenten behandelt werden mussten. Analog beim Menschen: Ein Infekt ist das Zeichen, dass etwas gegen die Ordnung der Natur geht und eliminiert werden muss. Doch wir geben Antibiotika. In der Nutztierhaltung wurde jedoch im Gegensatz zur Humanmedizin wenigstens erkannt, dass ein Großteil des Problems auf  einem Mineralienmangel beruht und großzügig substituiert, da die Medikamente sonst gar nicht mehr vom Landwirt bezahlbar gewesen wären. Dies ist seltsamerweise in der Humanmedizin auf der Strecke geblieben.

 

Fruchtbarkeit und Leben

Will man nun herausfinden, was die Grundvoraussetzungen für Fruchtbarkeit und Gesundheit aller Teile des Lebenskreislaufes sind, so gelangt man durch Sektion und Analyse des Lebendigen nicht zur Wahrheit, sondern nur zu nebensächlichem Spezialwissen. Es braucht vielmehr eine demütige und bescheidene Beobachtung der Wunder der Natur, wie sie sich ohne menschlichen Eingriff vollzieht.

Dazu aber bedarf es einer anderen, einer biologischen, ganzheitlichen Geisteshaltung, ja einer anderen Lebensauffassung und Charakterstruktur. Nur so kann man der heutigen lebensvernichtenden Fehlentwicklung in der Agrarwissenschaft, -industrie und -politik begegnen.

 

Voraussetzungen für gesundes Pflanzenwachstum

In vielen mühevollen Versuchen hat der Autor etliche Gesetzmäßigkeiten erkannt, die sowohl für Landwirte als auch biologisch orientierte Gärtner wichtig sind.

 

Die Zellgare

Gefallenes Herbstlaub, im Winter erfrorene Pflanzen sowie der tierische Dung  bilden in der Natur eine Rotteschicht am Boden, wo eine große Zahl von Bakterien und anderen Kleinstlebewesen den natürlicher Zersetzungsprozess vollziehen. In dieser obersten Schicht, der sogenannten Zellgare, findet sich jedoch ein für Pflanzen lebensfeindliches Milieu. Dies lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass ja die Wurzeln der Pflanzen auch gleich mitverdaut würden.

 

Die Plasmagare

Erst wenn die Nährstoffe verbraucht und  frei im Boden verfügbar sind, geht die Keimzahl zurück. Gleichzeitig wandern nun feinste Haarwurzeln der Pflanzen in diese sogenannte Plasmagare ein, und zwar in einer viel größeren Ausdehnung als mit dem bloßen Auge sichtbar. Nun kommen andere Bakterien ins Spiel, vorwiegend Laktobazillen, weswegen dieser Prozess auch mit der Verdauung im Darm verglichen wird. Diese Rhizosphärenflora ziehen die Pflanzen sich selber heran, indem sie bestimmte Zucker über die Wurzeln ausscheiden.

Durch Messungen der Zellzahlen in Zellgare und Plasmagare konnte der Autor eine Fülle von Informationen über die Bodenfruchtbarkeit gewinnen. So fand er heraus, dass Kompostierung keine sehr fruchtbare Erde hervorbringt, wohl weil die Zellgare nicht physiologisch ablaufen kann. Sehr viel besser ist die direkte Aufbringung des organischen Materials auf den Boden nach dem Vorbild der Natur.

 

Baumblätter behindern die Verrottung

Ebenfalls fand er, dass Laub von Bäumen die Verrottung behindert und zur Minderung der Fruchtbarkeit führt. Man sollte Laub also nicht als Bodendecke verwenden sondern allenfalls in separaten Haufen 2-3 Jahre verrotten lassen, um dann eine eher mittelmässige Erde zu erhalten.

 

Stickstoff-Mineralsalzdünger als Grundproblem

Düngung mit Düngesalzen, wie in der konventionellen Landwirtschaft üblich, ist die grundlegende Katastrophe überhaupt. Durch die Verfügbarkeit im Boden muss die Pflanze sie gegen ihren Willen aufnehmen. Dies führt zu einem Ungleichgewicht im Mineralhaushalt, und selbst die Substitution weiterer Mineralien kann nicht das ganze notwendige Spektrum abdecken, wie es in der Natur vorhanden ist. Die Stickstoffgaben führen zu einer vermehrten Wassereinlagerung und damit unphysiologischen Wachstumssteigerung der (Feld-)früchte. Sie sind jetzt vielleicht größer, jedoch kränklich und auch bei Verzehr der Gesundheit nicht förderlich, zumal sie auch noch mit verschiedenen Pflanzenschutzmitteln bearbeitet werden müssen, um zu überleben.

 

Die Alternative: organische Bodenbedeckung und Gesteinsmehl

Zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit sollte Gesteinsmehl verwendet werden, aus dem die Mikroorganismen das entnehmen und aufschließen können, was dem Bedarf der Pflanze entspricht. Ganz wichtig ist auch die Überlegung, frisch ausgebrachten Dünger nicht unterzugraben, da ja die Zellgare, wie wir gehört haben, ein pflanzenfeindliches Milieu darstellt. Überhaupt bringt das Hacken und Graben die verschiedenen Bodenschichten durcheinander und ist nicht förderlich. Der Boden sollte auch stets bedeckt sein, um einen Schaden der hochkomplexen Vorgänge im Boden durch die Witterung zu vermeiden.